Corona und die Ökologie

"Während die Menschheit mit sozialer Isolation gegen die Ausbreitung eines tödlichen Virus kämpft, geht es einem aber gut: dem Planeten. Er erholt sich seit Jahresbeginn von den Abgasen, die Autos und Fabriken täglich in die Luft pusten."(1)

Die Vermenschlichung des Planeten Erde ist eigentlich etwas für Kinderbücher. Ansonsten findet man derartiges in der esoterischen Adaption der griechischen Gaia-Mythologie und bei Verschwörungstheoretikern. Umso beschämender ist es, dass sich Maria Mast dazu in einem Artikel in der ZEIT herablässt, den sie ganz unbescheiden als Analyse verstanden wissen will.

"Langfristig müssen wir ein Gleichgewicht zwischen Menschheit und Ökosystem finden. Und dafür ist es notwendig, die aktuelle Krise mit anderen Krisen zusammenzudenken." (s.o.)

Ein Krisenneid der besseren, alles besser wissenden, zynischen und privilegierten Gesellschaft bricht sich Bahn. Auch wenn in dem Artikel peinlich vermieden wird, die jetzigen Maßnahmen zur Unterbindung der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2, der die Lungenkrankheit COVID-19 verursachen kann, auch für die so genannte Klimakrise vorzuschlagen, so lässt sich deutlich die Enttäuschung herauslesen, dass zum Klimaschutz die Gesetzgeber scheinbar nicht in die Vollen gegriffen haben.

Vom Bundestrainer zum Virologen

Maria Mast argumentiert scheinbar wissenschaftlich und quellentreu. Sie präsentiert keine allzu hanebüchenen Thesen aber dennoch wird ihr die Coronakrise zu einem Besinnungserlebnis, von dem wir doch gefälligst lernen sollen. „Wenn wir zuhause bleiben…dann schafft es die Natur, sich von uns zu erholen“ (s.o.). „Ich habe das Gefühl, dass sich die Erde gegen die Menschen und ihr Tun wehrt“ (2) war Jogi Löws erhellender Beitrag zum Thema. Es ist dieselbe misanthrope Botschaft für zwei unterschiedliche Zielgruppen, hier bedient der Trainer die Nordkurve, dort die Analytikerin den akademischen ZEIT-Abonnenten.

Wenn man schon eine Analyse führen will, dann sollte man, wenn schon nicht vom Bundestrainer, so doch von ZEIT-Journalistinnen erwarten, Zusammenhänge bei der Betrachtung der aktuellen Ereignisse zu verstehen. Es sind die vielen von Menschen erfundenen und gesteuerten Stoff- und Energieumwandlungsprozesse, die nicht perfekt sind, aber durchaus schon schlechter waren, deren längerfristige Unterbrechung aber fatale Folgen für unseren Wohlstand, unsere Gesundheit, unsere Lebenserwartung und unser Zusammenleben haben kann. Genauso sollte der Zusammenhang verstanden werden, ohne solche Prozesse ist ein erfolgreicher Kampf gegen die Ausbreitung des Virus nicht möglich. Ein modernes Krankenhaus oder ein medizinisches Forschungsinstitut gäbe es dann schlicht und ergreifend nicht. Wer will, dass sich Leser auch morgen noch die ZEIT kaufen können, sollte für eine Analyse schon mehr bringen können als schlecht versteckten Krisenneid. Bis dahin bleibt die Erkenntnis, dass sich in der Krise noch zeigen wird, wo der unverblümte Menschenhass bisher noch im Verborgenen gediehen ist.

(1) https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/corona-auswirkungen-klima-umwelt-emissionen-muell

(2) https://www.sportbuzzer.de/artikel/joachim-low-corona-reaktion-pk-dfb-appell-gesellschaft-kritik-wandel/